Der andere…. Trommler!?

Wenn jemand mit seinen Gefährten nicht Schritt hält, so thut er es vielleicht deshalb nicht, weil er einen andern Trommler hört.

Dieses Zitat aus Walden führte im amerikanischen Sprachraum zu der Redewendung „to hear a different drummer“ – und war die Anregung für den Namen dieses Verlages: „Der andere Trommler“.

Es findet sich am Ende von Walden, im Kapitel „Schluss“ – und wer gerade sein Exemplar der Neuausgabe von Walden nicht zur Hand hat, für den oder die möchte ich hier kurz den Kontext bieten, natürlich in der beeindruckenden Übersetzung von Emma Emmerich von 1897; es ist eine so schöne Stelle und sie begleitet mich seit so vielen Jahren. Und hier ist sie:

„…Manche schreien uns in die Ohren, wir Amerikaner und Modernen im allgemeinen wären mit den Alten oder selbst mit den Menschen des Elisabethischen Zeitalters verglichen, intellektuelle Zwerge. Was hat das aber zu bedeuten? Ein lebendiger Hund ist besser als ein toter Löwe. Soll einer hingehen und sich aufhängen, weil er zu dem Geschlecht der Pigmäen gehört, statt dass er der grösste Pigmäe ist, der er zu sein vermag? Lasst jeden für sich selber sorgen und versuchen der zu sein, als der er erschaffen wurde.
Warum müssen wir uns wahnsinnig beeilen, Erfolge zu erringen und wozu stürzen wir uns in solch verzweifelte Unternehmungen? Wenn jemand mit seinen Gefährten nicht Schritt hält, so thut er es vielleicht deshalb nicht, weil er einen andern Trommler hört. Lasst ihn zu der Musik marschieren, die er hört, wie auch ihr Takt und wie fern sie selbst auch sei. Es ist nicht richtig, dass der Mensch so schnell reif wird wie ein Apfelbaum oder eine Eiche. Soll er seinen Frühling in den Sommer verwandeln?
Wenn die Bedingung der Dinge, für welche wir geschaffen wurden, noch nicht gegeben ist, was wäre irgend eine Wirklichkeit, die wir dafür als Ersatz heranziehen könnten? Wir wollen nicht an einer eitlen Wirklichkeit Schiffbruch leiden. Sollten wir mühselig über uns einen Himmel aus blauem Glas errichten, obgleich wir sicherlich, wenn es geschehen ist, noch immer nach dem wahren Ätherhimmel hoch über uns blicken werden, als ob der andere nicht vorhanden wäre?“ Walden, S. 307

In der Originalausgabe von 1897 war dies auf Seite 347, und wer mal einen Blick in dieses schöne Buch werfen möchte, das kann das hier tun. So sah es damals aus, hier gezeigt ist die eingescannte Originalseite, die als Eingabedatei für die Neuauflage diente. Etwas schräg, aber für das OCR-Programm ausreichend:

Der andere Trommler 1897

Walden, Concord Verlag München, 1897, Seite 347

 

Im englischen Original liest sich diese Stelle wie folgt:
„…Some are dinning in our ears that we Americans, and moderns generally, are intellectual dwarfs compared with the ancients, or even the Elizabethan men. But what is that to the purpose? A living dog is better than a dead lion. Shall a man go and hang himself because he belongs to the race of pygmies, and not be the biggest pygmy that he can? Let every one mind his own business, and endeavor to be what he was made.
Why should we be in such desperate haste to succeed and in such desperate enterprises? If a man does not keep pace with his companions, perhaps it is because he hears a different drummer. Let him step to the music which he hears, however measured or far away. It is not important that he should mature as soon as an apple tree or an oak. Shall he turn his spring into summer?
If the condition of things which we were made for is not yet, what were any reality which we can substitute? We will not be shipwrecked on a vain reality. Shall we with pains erect a heaven of blue glass over ourselves, though when it is done we shall be sure to gaze still at the true ethereal heaven far above, as if the former were not?“


 

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