Welttag des Buches 23.4.

Heute ist der Weltbuchtag! Der Welttag des Buches und des Urheberrechts (kurz Weltbuchtag, englisch World Book and Copyright Day) am 23. April ist ein von der UNESCO weltweit eingerichteter Aktionstag für das Lesen, für Bücher, für die Kultur des geschriebenen Wortes und auch für die Rechte ihrer Autoren.

Aus diesem Anlass möchte ich hier die Seite 115 von Walden aufschlagen – Thoreau schreibt hier von Büchern, und es ist zeitlos was er sagt – wie oft habe ich diesen Satz im Kopf (Hervorhebung von mir). Wie schön und wie tröstlich.
Auf geht’s:

…Nicht alle Bücher sind so stumpf wie ihre Leser. Es sind darin vielleicht Worte, die genau auf unsere Verfassung passen, welche, wenn wir sie nur hören und verstehen könnten, unserm Leben segenbringender wären als der Morgen und der Frühling, welche uns die Dinge mit ganz anderen Augen ansehen liessen. Wie mancher Mensch hat eine neue Ära in seinem Leben von dem Lesen eines Buches an zu datieren! Das Buch existiert vielleicht für uns, das unsere Wunder erklärt und uns neue offenbart. Das jetzt Unaussprechliche finden wir vielleicht irgendwo ausgesprochen.
Die gleichen Fragen, die uns beunruhigen und verwirren, sind seiner Zeit allen vernünftigen Menschen aufgestiegen; keiner wurde übergangen und jeder hat sie nach seiner Fähigkeit in Worten oder durch sein Leben beantwortet. Auch Freisinnigkeit wird uns die Weisheit lehren. Der einsame Taglöhner auf irgend einem Gut in der Nähe von Concord, der seine Wiedergeburt hinter sich, seine speziellen religiösen Erfahrungen gemacht hat, und seiner Ansicht nach durch seinen Glauben zu stillschweigender Würde und Abgeschlossenheit veranlasst wird, mag denken, das sei nicht wahr […]
Wir rühmen uns, dem neunzehnten Jahrhundert anzugehören und von allen Völkern am schnellsten vorwärts zu gehen. Nun denke man einmal darüber nach, was eigentlich unsere Stadt für ihre Kultur thut. Ich will so wenig meinen Mitbürgern schmeicheln, als mir von ihnen geschmeichelt werden soll, denn damit käme Keines von beiden vom Fleck. Wir müssen gereizt, müssen aufgestachelt werden wie Ochsen, die wir sind, damit wir uns zum Traben entschliessen. Wir haben ein verhältnismässig gutes System von gewöhnlichen, nur für Kinder bestimmten Schulen; aber abgesehen von dem halbverhungernden Winter-Lizeum und in neuerer Zeit dem schwachen Anfang einer vom Staate angeregten Bibliothek, keine Schulen für uns selbst. Wir verwenden fast auf jeden Gegenstand unserer körperlichen Ernährung oder Verfütterung mehr, als auf unsere geistige Nahrung. Es wäre an der Zeit, dass wir ungewöhnliche Schulen bekämen, dass wir nicht mit unserer Erziehung aufhören, wenn wir anfangen, Männer und Frauen zu werden. Es ist Zeit, dass…

Ungekürzt Weiterlesen? Walden – Neuauflage der dt. Erstausgabe

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